Microsoft, Silverlight und HTML5

Es ist grob ein Jahr her, dass Microsoft seine Suchmaschine Bing inklusive schön anzusehender Features z.B. in Bing Maps vorstellte. Diese vorgestellten Features basierten zum Teil auf Silverlight und so mancher zuckte schon zusammen: Microsoft platziert eine weitere proprietäre Technik neben Flash, anstatt sich in Richtung HTML5 zu orientieren und damit den künftigen offenen Standard zu stärken.

Auf der aktuellen Professional Developers Conference zeichnet Microsoft nun ein anderes Bild. Zu Silverlight gibt es keine Sessions und in der Keynote wird über HTML5 geredet und Silverlight nur einmal erwähnt. Von ZDNet darauf angesprochen, verrät Bob Muglia, der bei MS Verantwortliche:

Silverlight is our development platform for Windows Phone … our strategy has shifted …

Silverlight will continue to be a cross-platform solution, working on a variety of operating system/browser platforms. But HTML is the only true cross platform solution for everything, including (Apple’s) iOS platform.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Silverlight ist die Entwicklungsplattform für Windows Mobile 7. Gleichzeitig hat man erkannt, dass eigentlich nur HTML(5) überall funktioniert. Eine erfreuliche Erkenntnis, die wohl ein wenig spät kommt und außerdem dem neuen Windows Mobile ein gutes Stück Boden unter den Füßen wegzieht.

Es bleibt zu hoffen, dass HTML5 irgendwann von allen Mobilplattformen gut und einheitlich unterstützt wird. Es könnte der einzige wirklich gut geebnete Weg zur Cross-Plattform-Entwicklung werden.

Die liebe Verwandtschaft: SGML, XML, HTML, XHTML und HTML5

Die HTML5-Empfehlung nähert sich mehr und mehr der Fertigstellung, was für mich Grund ist — Lust und Zeit vorausgesetzt — in loser Folge auf einige Aspekte des Drafts einzugehen. Für einige Verwirrung sorgt die Schleudertour der letzten Jahre, in denen XHTML1.0, 1.1 und 2.0 irgendwie als Nachfolger von HTML 4.01 durchzugehen schienen. Erst eine Übersetzung von HTML in ordentliches XML (endlich!) und dann diverse Erweiterungen des Entstandenen. Das klang logisch.

Damit wurden aber nicht alle glücklich: Vor allem Mozilla, Opera und später Apple präferierten einen Weg, der unter anderem stärker auf Abwärtskompatibilität setzte und man koppelte sich von der W3C-Arbeitsgruppe als WHATWG ab. Später vereinten sich die beiden Entwicklungszweige wieder unter dem Dach des W3C und es entstand HTML5 quasi als Hülle um beide Zweige. HTML5 enthält HTML5 (wie soll ich das meinen Kindern erklären?) als Weiterentwicklung von HTML sowie XHTML5 als Nachfolger von XHTML2.0.

Je nach verwendetem Mimetype (text/html oder application/xhtml+xml) wird die eine oder die andere Sprache erwartet — ja, man muss hier Sprache sagen, denn es handelt sich bedauerlicherweise nicht nur um syntaktische Unterschiede, sondern um Unterschiede in Art und Umfang der Features. Dazu später mehr.

HTML5: “Feature-complete” ab Mitte 2011

Philippe Le Hegaret vom W3C sah sich nun offenbar gezwungen, in einem Infoworld-Interview klarzustellen, dass HTML5 noch nicht produktiv einsetzbar ist — was niemanden wundern dürfte, da es noch mitten in der Standardisierung steckt. Alle Features werden demnach erst Mitte 2011 fest definiert sein. Danach folgt noch die eigentliche Detailarbeit.

Trotzdem ist es klug, öffentlich noch einmal auf die Situation aufmerksam zu machen, denn eine breite Nutzung eines unfertigen Standards hat das Potenzial, eben diesen in seinem Ansehen und seiner Verbreitung schwer zu beschädigen.

Hinzu kommt, dass die Browser erhebliche Unterschiede in Qualität, Umfang und Performance der HTML5-Implementierung aufweisen. Einige teils sehr schöne Demos gibt es dennoch, z.B. hier bzw. ganze Sammlungen hier oder hier.

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