Microsokia

Jetzt muss ich mir mal selbst ausnahmsweise Recht geben. Am 15. Oktober hatte ich darüber spekuliert. Heute ist es soweit. Microsoft und Nokia verbünden sich.

Ich finde es schade.

Ein wenig mehr Konkurrenz hätte Android und Apple gut getan. Den Erfolg dieser Partnerschaft sehe ich nicht. Sie löst kein Problem: Windows Phone ist, wenn man Vertrieblern glauben darf, ein Ladenhüter und Nokia-Phones gehen auch nicht mehr wie geschnitten Brot. Ich verstehe nicht, warum sich eine Kombination der beiden besser verkaufen lassen sollte. Sicher, das ist nur kurz angedacht. Ich lasse mich jedoch gerne positiv überraschen.

Ich hätte mich über eine Konzentration auf MeeGo gefreut. Oder Android auf richtig innovativer Hardware.

Neue Zahlen zu Smartphones

Laut einer Analyse von Canalys steigert Android seine Marktanteil in einem Jahr von 8,7% auf 32,9%. Im selben Zeitraum stagnierte der Anteil der verkauften iPhones bei ca. 16% und Microsoft fiel von 7,2% auf 3,1%. MS ist der einzige Anbieter, bei dem die absoluten Verkaufszahlen gefallen sind. Das mag der Einfluss von Windows Mobile 7 sein — möglicherweise haben viele Kunden den Verkaufsstart in Q4 abgewartet. Für Symbian wurde die letzte Runde eingeläutet. Sein Marktanteil fiel von satten 44,4% auf 30,6%. Nokia muss meines Erachtens kurzfristig eine klare, erfolgversprechende Strategie vorstellen, ansonsten ist der Smartphone-Zug final abgefahren.

TV 2.0 (Update)

Das Thema hatte ich ja schon einmal auf dem Schirm, aber jetzt nimmt es langsam Fahrt auf. Nach SONY haben nun auch Samsung, Toshiba und Vizio Fernseher mit Android angekündigt. Die Geräte sollen wohl im Januar auf der CES vorgestellt werden.

Ich hoffe, dass man die Software zügig und regelmäßig aktualisiert. Das, was ich bislang gesehen hat, hatte deutlichen Nachholbedarf gegenüber Android 2.2 und machte eher den Eindruck einer Version 1.6. Aber gut, wenn die Plattform erst einmal steht und der Markt da ist, werden wohl auch Updates kommen. Schön wäre es auch, wenn die Gerätehersteller das Betriebssystem nicht modifizieren würden, wie es bei Handys der Fall ist, denn das erschwert (oder verhindert) die Installation generischer Updates.

Microsoft, Silverlight und HTML5

Es ist grob ein Jahr her, dass Microsoft seine Suchmaschine Bing inklusive schön anzusehender Features z.B. in Bing Maps vorstellte. Diese vorgestellten Features basierten zum Teil auf Silverlight und so mancher zuckte schon zusammen: Microsoft platziert eine weitere proprietäre Technik neben Flash, anstatt sich in Richtung HTML5 zu orientieren und damit den künftigen offenen Standard zu stärken.

Auf der aktuellen Professional Developers Conference zeichnet Microsoft nun ein anderes Bild. Zu Silverlight gibt es keine Sessions und in der Keynote wird über HTML5 geredet und Silverlight nur einmal erwähnt. Von ZDNet darauf angesprochen, verrät Bob Muglia, der bei MS Verantwortliche:

Silverlight is our development platform for Windows Phone … our strategy has shifted …

Silverlight will continue to be a cross-platform solution, working on a variety of operating system/browser platforms. But HTML is the only true cross platform solution for everything, including (Apple’s) iOS platform.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Silverlight ist die Entwicklungsplattform für Windows Mobile 7. Gleichzeitig hat man erkannt, dass eigentlich nur HTML(5) überall funktioniert. Eine erfreuliche Erkenntnis, die wohl ein wenig spät kommt und außerdem dem neuen Windows Mobile ein gutes Stück Boden unter den Füßen wegzieht.

Es bleibt zu hoffen, dass HTML5 irgendwann von allen Mobilplattformen gut und einheitlich unterstützt wird. Es könnte der einzige wirklich gut geebnete Weg zur Cross-Plattform-Entwicklung werden.

Gartner wagt Vorhersage des Mobilfunkmarkts

Kaum ein Markt ist derzeit so dynamisch wie der der Mobilfunk-Plattformen. Man könnte den Eindruck haben, dass Gartner den Start von Windows Mobile zum Anlass nimmt, um dieses Mal eine Vorhersage für die kommenden vier Jahre zu versuchen. Die Zahlen findet man hier. Ich habe mich wieder an der Google Chart API versucht und visualisiert sehen die Daten so aus:

Erstaunlich ist erst einmal, dass offenbar jedes Jahr mehr Handys verkauft werden — heute ebenso wie zukünftig. Darüber hinaus bemerkenswert finde ich allerdings, dass man Symbian eine relativ goldene Zukunft zutraut. Hier bin ich ganz anderer Meinung: Das wichtigste Wachstum bezieht der Mobilfunkmarkt derzeit aus Smartphones und gerade hier ist es absehbar, dass Symbian von MeeGo oder Android abgelöst werden wird.

Oder es kommt ganz anders: Man kann nicht behaupten, dass Nokia im Moment in ruhigem Fahrwasser unterwegs ist. Nachdem nun auf dem CEO-Posten ein ehemaliger Microsoft-Manager sitzt, hat sich der Kronprinz, der gleichzeitig MeeGo-Manager war, verabschiedet. Für beide Unternehmen könnte eine enge Partnerschaft sinnvoll sein. Nokia braucht einen starken Partner, der vielleicht das Zeug hat, iOS und Android die Hand zu reichen und Microsoft hätte ein im Mobilfunk etabliertes Unternehmen, das Windows Mobile in die Läden trägt.

Ja, darauf würde ich mein altes 8200 setzen, wenn es denn nicht nach Ablauf der Garantie in seine Einzelteile zerfallen wäre.

Update: Der MeeGo-Mann heuert bei Palm an, um dort WebOS voranzutreiben. Mit frischem Geld von HP könnte sich da noch etwas bewegen.

TV 2.0

So langsam schieße ich mich ein: Es muss wieder Google herhalten. Ich würde gerne ja auch mal von anderen Innovatoren auf dem Massenmarkt berichten, aber entweder beschäftigen diese sich derzeit mit längst überfälligen Arbeiten, entwickeln vor sich hin, um irgendwann eine neue Browserversion herauszubringen, die außer, dass sie ein Quäntchen besser als die Vorgängerversion ist, nichts Neues bringt oder sie arbeiten im stillen Kämmerlein am möglichen Konkurrenzprodukt zum hier Vorgestellten.

Wer weiß.

Spätestens nachdem Metabox Ende der 90er Jahre damit anfing, ist sie ein Thema: Die Integration von TV und Internet in ein wohnzimmertaugliches Gerät. Viele hoffen seitdem auf Nerds, die wieder das Wohnzimmer betreten und auf Großeltern, die dank TV-Gerät nun auch ins Internet gehen. Nicht zuletzt für die Medien könnten sich damit neue Geschäftsfelder auftun.

Nun kommt wieder einmal Schwung in dieses Thema: Google TV mausert sich und jetzt ist recht scharf erkennbar, was es ist: Basis ist Android, das im TV-Gerät oder in einer SetTop-Box läuft. Dazu gibt es ein passendes User Interface, Streaming-, Recording- und Video-on-Demand-Apps für verschiedene Anbieter und Schnittstellen zum Handy (Streaming, Fernbedienung). Die Android-Standard-Apps sind vermutlich obligatorisch: Browser, E-Mail, Kalender, YouTube, Gallery usw. Drumherum baut Google ein Netzwerk von Content-Anbietern, die passende Inhalte und Geschäftsmodelle bereitstellen. Falls etwas fehlt, wird es vermutlich binnen kurzer Zeit im Market erscheinen.

The coolest thing about Google TV is that we den’t even know what the coolest thing about it will be.

Als Paket sieht das beeindruckend aus. Ob es gut ist, dass Google nun auch ein heißes Eisen für diesen Markt schmiedet, mag jeder selbst für sich entscheiden. Außerdem vermute ich, dass viele Leute überhaupt nicht mit dem TV interagieren wollen — sie wollen vermutlich vielmehr einfach ihre Ruhe haben und in die Röhre gucken. Ob es dazu Studien gibt?

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