Weppy alias WebP

Kaum habe ich mich gestern (eher zufällig) ins Google-Imperium vorgewagt, rollt von dort aus schon wieder die nächste Sache an. Nachdem man vor einiger Zeit WebM vorgestellt hat — einen offenen, unter BSD-Lizenz stehenden Videocodec — hat man nun die statische Variante nachgeschoben. WebP stützt sich auf in WebM verwendetes Verfahren zur Kompression der Keyframes.

Ziel ist es, die Dateigröße von Bildern gegenüber JPEG noch einmal deutlich zu reduzieren, um Traffic zu reduzieren. Das soll natürlich ohne merklichen Qualitätsverlust von statten gehen. Das ist kein geringer Anspruch.

Nach einer Google-internen Untersuchung hat man bei gleicher Qualität in 1 Mio. Bildern durchschnittlich 39 % Volumen sparen können. Googles Beispielbildern nach macht WebP einen guten Eindruck. Unabhängige Untersuchungen kommen zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen. Wahrscheinlich ist es noch zu früh, dies abschließend bewerten zu wollen, da die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist.

Interessanter ist die Frage, inwieweit sich ein von einem einzigen Player in den Markt geworfenes neues Format überhaupt durchsetzen kann, zumal man bislang praktisch nirgens Bedarf nach einer Innovation auf diesem Gebiet vernehmen konnte. Da hängt alles von den Browsern ab. Natürlich wird Chrome WebP in Kürze unterstützen und in WebKit dürfte es damit auch einfließen. Und damit in Apples Safari, Openmoko, Android, iPhone, Palm und bald auch Blackberry. Das ist der Weg über WebKit.

Aber es gibt einen zweiten: Da WebP die Bibliothek von WebM verwendet, dürften die Browser, die WebM unterstützen, bald auch das neue Grafikformat darstellen können. Dazu gehören dann Mozilla Firefox und Opera. Selbst für den Internet Explorer hat Microsoft angekündigt, ab Version 9 eine manuelle Nachinstallation zu ermöglichen. Ach ja, der Flashplayer wird das Format auch bald abspielen können.

Ich gehe davon aus, dass sich WebM auf breiter Front durchsetzen wird. Es ist technisch offenbar ausreichend, offen und YouTube wird darauf umgestellt. Mehr Argumente braucht man nicht. Damit und mit der Schützenhilfe über WebKit könnte WebP auf jeden Desktop und in jedes Smartphone kommen.

Es bleibt die Frage nach Googles Motivation. Sicher profitiert Google von eingesparter Bandbreite. Ich könnte mir vorstellen, dass Google sicher noch andere Funktionen einfallen, die man WebP angedeihen lässt wie z.B. für Suche, Indizierung und Tracking optimierte Metadaten und Ähnliches. Ich bin gespannt.

“Vielleicht wäre es einfacher, den Leuten erstmal zu erklären, dass sie ihre 12 Megapixel-JPEGs herunterrechnen sollen, bevor sie sie in 300 Pixel Breite in ihre Seite packen.” (Autor vergessen, oder war ich es selbst?)

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